ENOUGH!
Suffizienz im Bauen
Wir bauen zu viel. Zu groß. Zu neu. Zu perfekt. Gleichzeitig verschanzen wir uns hinter CO₂-Bilanzen, Labels und Lifecycle-Analysen – als wäre Nachhaltigkeit nur eine Rechenaufgabe. Doch der Wandel im Bauen entscheidet sich nicht allein durch Technik, sondern durch Haltung.
Als Planende tragen wir Verantwortung, nicht nur für das, was wir entwerfen, sondern auch für das, was wir unterlassen: für die Räume, die wir ermöglichen und die Ressourcen, die wir verbrauchen. Das Prinzip der Suffizienz fragt nach dem richtigen Maß – beim Einsatz von Material, Raumprogramm, Energie, Boden und Daten. Und eigentlich haben wir genug: an Raum, alltäglichem Komfort, an Erfahrung, an nachwachsenden Ressourcen. Trotzdem entwerfen und planen wir weiterhin an Bedarfen vorbei, an der Überlastung des Planeten entlang. Suffizienz bedeutet, Qualität im Bauen neu zu denken: nicht über Effizienz und technische Optimierung, sondern über das Einfache, Reparierte, Dauerhafte und Kollektive. Im Wintersemester 25/26 untersuchen wir deshalb Räume, die Bestand haben, und Bestand, der sich weiterentwickeln lässt; Programme, die wachsen oder schrumpfen dürfen; Strategien, die mit weniger auskommen – und darin ihre Kraft entfalten.
Zwischen Haus und Stadt, Konstruktion und Nutzung, Gestalt und Politik fragt die Ringvorlesung nach Praktiken und Narrativen eines Bauens, das weniger verbraucht und mehr schafft. Leitmotiv ist nicht der Verzicht, sondern die entwerferisch-forschende Lust an der Reduktion.